Historie

hintergrund-legende3"HELLWECH" (mittelniederdt.) bedeutet "lichter Weg" und bezieht sich seit dem Hochmittelalter auf Königs- und Heerstraßen, die in der Breite einer Speerlanze (ca. 3 Meter) von Bewuchs freigehalten werden mussten. In verschiedenen Teilen Westfalens sind in den mittelalterlichen Urkunden dutzende von "Hellwegen" bezeugt. Dass dieser Name dauerhaft aber nur auf die Strecke Duisburg-Höxter angewendet blieb, und ansatzweise schon im Spätmittelalter auf die Region zwischen Rhein und Weser ausgeweitet wurde, unterstreicht die Bedeutung und Sonderstellung dieser Handelsregion.

aus: Zeitreise Hellweg - Spuren einer Straße durch die Jahrhunderte. Reinhild Stephan-Maaser, i.A. der Stadt Unna, 2000, ISBN 3-88474-932-3

HELLWEG - ein LICHTWEG ist ein modulares, erweiterbares Kulturprojekt eines Städtenetzwerkes in der Hellweg-Region. Es führt seit seiner Gründung im Jahr 2002 realisierte, in ihrer Ausführung begriffene und geplante solitäre lichtkünstlerische Projekte zu einem identitätsstiftenden Ganzen zusammen. Darüber hinaus werden jedes Jahr neue Werke der Lichtkunst von national und international renommierten Künstlern und Künstlerinnen realisiert. Die künstlerische Gesamtleitung hatte von 2002 bis Frühling 2009 Matthias Wagner K, Berlin, inne.

Das Kulturprojekt HELLWEG - ein LICHTWEG schafft zusammen mit dem Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna eine einzigartige, öffentliche Plattform für die Lichtkunst in der Hellweg-Region, respektive in Nordrhein-Westfalen.

Das Ruhrgebiet, Teil der nordwesteuropäischen Megalopolis, bietet nachts ein zerrissenes, oft dynamisches Muster aus Lichtern und ausgedehnten Dunkelzonen. Aber seit einigen Jahren heben sich hier besondere Lichtzeichen heraus, Leuchttürmen gleich: Lichtlandmarken, illuminierte Industriedenkmäler und im Besonderen das Zentrum für Internationale Lichtkunst e.V. , als einer von 25 Ankerpunkten der Route der Industriekultur, die mit ihrer ‚Leuchtkraft' nicht nur der Nacht im Ruhrgebiet ein verändertes Gepräge gegeben haben – und damit dem Land NRW eine neues Profil – sondern auch in jene Region scheinen, die sich östlich des Ruhrgebiets von Lünen und Schwerte im Westen bis Lippstadt im Osten erstreckt – der Hellweg-Region. Eine Region, deren Namensfindung jener Handelsstrasse Rechnung trägt, die sich bis zum beginnenden 19. Jahrhundert zu einer der wichtigsten Ost-West-Verbindungen in Mitteleuropa entwickelte und in sprachlicher wie auch geografischer Symbolik (der Begriff „Helwech" stammt aus den Mittelniederdeutschen und bedeutet >>lichter Weg

HELLWEG – ein LICHTWEG ist ein Kulturprojekt, das seit seiner Gründung im Jahr 2002 bereits realisierte, in ihrer Ausführung begriffene und geplante solitäre lichtkünstlerische Projekte zu einem Identitätsstiftenden Ganzen für die Region zusammen geführt hat und unter einer Künstlerischen Gesamtleitung mit den Vertretern der Städte und Gemeinden, des Zentrums für Internationale Lichtkunst e.V. und des ZIB in Unna sowohl Gastkuratoren neue Lichtgestaltungen und Projekte initiiert. Auf besondere, thematisch attraktive Weise trägt es dazu bei, der Öffentlichkeit die kulturelle Dimension der Region zu verdeutlichen und Lichtkunst als ein wesentliches Element der Region, respektive des Landes Nordrhein-Westfalen zu verankern.

HELLWEG – ein LICHTWEG definiert sich als modulares, erweiterbares System, das zusammen mit dem Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna eine einzigartige, öffentliche Plattform für die Lichtkunst in ganz Nordrhein-Westfalen schafft.

Der bereits entstandene „Lichtweg" ist dabei kein herkömmlicher Skulpturengarten, in dem man von Kunstwerk zu Kunstwerk wandelt. Die Werke der Lichtkunst die ihn bilden, sind nicht austauschbar. Es sind Kunstwerke von Künstlern, die sich auf den jeweiligen Ort eingelassen haben. Auf die dort vorgefundene Architektur und Landschaftsstruktur, auf das soziale Umfeld, auf die historischen und gegenwärtigen Sinnzusammenhänge, das was diese Orte geprägt hat, unverwechselbar und einzig macht. Es sind Kunstwerke, die nur über ihre Umgebung zu erfahren sind, weil sie eine Koexistenz mit dieser bilden: mit der Architektur, der Landschaft, der Geschichte, mit der Vergangenheit und Gegenwart und nicht zuletzt dem Leben der Menschen in ihrer Nähe:

Als Lichtlandmarken – M. KUBALL/Bönen, Mario MERZ/Unna – bieten sie Orientierung im Stadt- und Landschaftsraum; als poetisch sublime, ironisch oder zeitkritische Interventionen – Maik & Dirk LÖBBERT/Schwerte, Kirsten KAISER/ Hamm, Birgit HÖLMER, Andreas M. KAUFMANN/Bergkamen, Kazuo Katase/Lünen – zelebrieren sie urbane Plätze oder bilden als Licht- und Klangskulpturen – Tilmann KÜNTZEL/ Fröndenberg, Rochus AUST/Bergkamen – utopisch, assoziative Gegenwelten innerhalb des Alltagsgeschehens. Brücken und Unterführungen erscheinen in „neuem" Licht – Horst RELLECKE, Günter DOHR/Hamm, Wasserläufe verwandeln sich in Skulpturenpfade oder wie in Lippstadt zur „Lichtpromenade" – Claudia SCHMACKE, Gereon LEPPER, Christoph HILDEBRANDT, Stefan SOUS, Claudia WISSMANN, Gunda FÖRSTER, OFFERMANN. Mit dem "Skyspace - Camera obscura space" in Unna von James TURRELL, entstand darüber hinaus eines der bedeutendsten Werke raumgreifender Lichtkunst.

Matthias Wagner K

  


  

„Was bleibt? Gelingt es, dauerhaft Sehweisen zu verändern? War die IBA nur ein Strohfeuer, nach Auslaufen der Fördermittel ohne bleibende Kraft? Wenn ‚Neues Licht' ein ‚Neues Sehen' in NRW und auf NRW bewirken soll, bedarf es der Kontinuität, der dauerhaften Weiterarbeit bei der Vermittlung in die Region und über das Ruhrgebiet hinaus. Wenn es darum geht, mit Licht das Landesprofil NRW neu zu konturieren, kann die IBA nicht allein bleiben." – schrieb Peter M. Kleine in einem Resümee über die IBA im Jahr 2002.

Heute, nach nunmehr 4 Jahren könnte die Antwort auf die von Peter M. Kleine und weitere, oft gestellte Fragen – Wo findet sich die Stimme der regionalen Städte und Gemeinden? Wo zeigt sich die Gesellschaft und ihre Kultur – ihre Kunst, ihr Innehalten, Nach- und Überdenken? Wo zeigt sie sich offensiv und bekundet damit Neugier? – lauten:

H I E R !

Hier in der Hellwegregion. Mit dem Projekt HELLWEG – ein LICHTWEG. Mit Kunstwerken, die nicht nur Aufmerksamkeit schaffen, sondern zugleich den Blick freigeben auf eine Kulturregion, die sich durch landschaftliche, städtische und kulturelle Besonderheiten auszeichnet. Mit einem Projekt, das im Umkehrschluss durch gezielte Lokalisierung es der Region ermöglicht, sich nach innen und außen vielfältig und neu zu präsentieren, fällt doch mit den Werken der Lichtkunst und den damit verbundenen Veranstaltungen der Fokus auch auf jene Orte, die dem Besucher von außerhalb ansonsten nicht ins Blickfeld geraten.

Damit inszeniert sich die Hellweg-Region unter kulturell-touristischen Aspekten neu und überführt jene Städte und Gemeinden, die durch den Strukturwandel ihre einstige Sinnzuschreibung verloren haben über die Lichtkunst in neue Sinnzusammenhänge.

Die in den letzten Jahren eingeladen Künstler, mit überwiegenden Wohnsitz in NRW, haben auf äußerst hohem Niveau auf etwas reagiert, was sich ebenso an einem anderen Ort in potenzierten Ausmaßen findet. Weil auch an anderen Orten Denk- und Erinnerungsräume von Nöten sind, auch woanders über die Dichotomie von Natur und Technik nachgedacht wird und der Wunsch nach einer neuen, gesellschaftlichen Utopie erwächst. Und, weil auch die Provinz Teil eines großen Ganzen ist: Hellweg-Region – das Ruhrgebiet – Nordrhein-Westfalen – Deutschland – Europa – Welt.

Die in der Hellweg-Region, in der Provinz, zu findenden Lichtkunstwerke, haben sich durch den Geist offensiver Bürger, zu Kunstwerken entwickelt, die in der Lage sind, das Einzigartige dieser Region – eine Region, die sichtlich im Wandel begriffen ist, dabei ihre historischen Wurzeln aber nicht ausreißt, sondern einladend mit KunstLICHT offeriert – nach außen zu tragen.

Matthias WAGNER K (künstlerischer Leiter des Kulurprojektes, 2002 – 2009)