Lippstadt

Christoph Hildebrand

*1959 in Emmendingen

„Arche", 2003

Standort: Mattenklodtsteg

Ein Floss aus rohen Baumstämmen bildet die Plattform für ein Glasgewächshaus mit Neonzeichen, in ihrer Reduktion und formalen Ästhetik vergleichbar Computer-„Icons". Die unabhängig auf- und abdimmenden Piktogramme bilden immer neue Konstellationen und damit immer neue Assoziationsketten und Vernetzungen von Begriffen.

Foto: Werner J. Hannappel, Essen

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Claudia Schmacke

*1963 in Witten

„Undine", 2004/05

Standort: Wilhelmschule

Im Wasser der Lippe wird in Intervallen ein grüner Strudel sichtbar. Ohne erkennbare äußere Ursache bildet er sich auf der Wasserfläche, während das Wasser sich langsam leuchtend grün färbt. Der Strudel gewinnt an Kraft, und parallel nimmt die Lichtintensität zu. Danach beruhigt sich der Strudel langsam wieder, parallel erlischt auch das grüne Leuchten. „Undine" ist wie ein magisches grünes Auge, das für kurze Zeit im Fluss aufleuchtet, den Wandelnden an das Wasser lockt wie das mythische Wasserwesen, nach dem Claudia Schmacke ihre Installation benannt hat.

Foto: Werner J. Hannappel, Essen

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Stefan Sous

*1964 in Aachen

„Milky Way", 2005/06

Standort: Insel am Lippebug

Mitten im Flusslauf liegt eine Insel mit einem einzigen Baum. Neben dem Baum ist ein Steg angebracht, wie um zu angeln, zu baden oder ein Boot anzulegen. Der Steg besteht jedoch nicht wie üblich etwa aus Holz, sondern aus hell leuchtenden Röhren. Aus einer im Dunkel verschwindenden Insel wird ein Sehnsuchtsort. Räumlich bleibt der Betrachter auf Distanz, gedanklich kann er dem Licht folgen, die Insel im Traum betreten.

Foto: Werner J. Hannappel, Essen

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Claudia Wissmann

*1964 in Dingden

„Glitzerbaum", 2006

Standort: Lippebug/Lippe-Residenz

Eine über die Wasserfläche ragende Kastanie trägt hunderte von Spiegelketten wie ein zweites Laub. Die permanente Bewegung der Spiegel lässt den Baum flimmern. Die Spiegel reflektieren die Umgebung, vervielfachen das Tages- und das künstliche Licht, der Baum schimmert und strahlt, wird seinerseits vom Wasser reflektiert; eine künstlerische Lösung, die in ihrer verblüffenden Einfachheit gleichzeitig Komplexität und Tiefe birgt.

Foto: Werner J. Hannappel, Essen

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Johannes Jäger

*1949 in Düsseldorf

„Das Ergreifen", 2007

Standort: Weiterbildungskolleg

6 Betonstelen tragen Bildröhren aus Beton mit Motiven aus der Welt der visuellen Medien. Aus der Beliebigkeit des allgegenwärtigen medialen Bilder- und Sprachflusses gewonnen, werden die Motive zu Erinnerungsbildern und führen bei Dunkelheit eine fast schwerelose, irritierende, über dem Fluss schwebende Existenz.

Foto: Werner J. Hannappel, Essen

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Thorsten Goldberg

Berlin

„Cumulus", 2008/2009

Standort: Stadttheater

Die spektakulär leuchtende Wolkenform besteht aus übereinander geschichteten, waagerecht montierten Acrylglasplatten, die schmale, eisgrüne Neonbänder tragen. Auf einem mehr als fünf Meter langen Kragarm scheint das in sich drehbare Objekt gleichsam über dem Wasser zu schweben. Das Neonobjekt setzt die Reihe der Installationen fort, die sich im Rahmen der Lichtpromenade mit der Dichotomie von Natur und Technik auseinandersetzen. „Cumulus" bildet aber auch einen festlichen, einladenden Kandelaber und steckt nicht nur dem benachbarten Stadttheater, sondern auch dem einstigen Nordtor der Stadt ein Licht auf.

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Gunda Förster

*1967 in Berlin

„Schweigen", 2006/07

Standort: Brücke am Ostendorf-Gymnasium

In Neon-Versalien sind die Worte „Schwimmen" und „Fliegen" an die Brücke montiert. Die Worte werden unabhängig voneinander ein- und ausgeblendet, so dass verschiedene Zustände der Überlagerung entstehen. Bei der Überlagerung wird ein dritter Schriftzug sichtbar: „Schweigen". Aus der Profanität der beiden „realen" Worte entsteht ein Geheimnis, ein Sehnsuchtsbegriff. Die Wasseroberfläche verdoppelt die Worte, lässt sie in Spiegelschrift auf dem Wasser widerscheinen.

Foto: Werner J. Hannappel, Essen

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Offermann

*1946 in Düsseldorf

„Weg der Schiffer", 2007

Standort: Kanu-Leistungszentrum

Entlang der Lippe auf einem Fußweg sind sieben klassische Straßenlaternen – Standardtyp 'Pilzleuchte' – in üblichem Abstand installiert. Je nachdem von wo man kommt, scheinen die Laternen rot mit einer weißen Aura oder umgekehrt. Diejenige Laterne, die man als erstes erreicht, schaltet sich unerwartet aus und nach einigen Sekunden wieder ein. So ergeht es dem Spaziergänger bei allen sieben Laternen. Er erreicht nie das Licht einer Laterne. Im Gegenteil, es "läuft" immer hinter ihm her. Sind mehrere Passanten unterwegs, so kann die Lichterreihe gänzlich verschwinden — der Weg bleibt dunkel. Die Lichtskulptur zeigt sich somit nie als Ganzes, sondern ist nur aus der Entfernung als Einheit wahrnehmbar.

Abbildung (Entwurf): Offermann/VG BILD-KUNST Bonn, 2007

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Frank Schulte

Köln

„Der Mittler", 2009

Standort: Ostendorfallee/Burgmühle

Der Schiedsrichterturm für Kanusport an der Lippstädter Wildwasserstrecke verwandelt sich durch eine Licht-Klang-Installation abends in ein phantastisches Wesen. Ein System von Lautsprechern und Lichtquellen am Gebäude und im Boden darunter versetzt den Turm mit ruhigen Klängen und mattblauem Leuchten in einen atmenden, schlafenden Zustand. Zur jeweils vollen Stunde erwacht das Turm-Wesen zur Aktivität, um eine Serie von akustischen und visuellen Signalen zu senden. Die architektonischen Bestandteile werden zu Gliedern, Kopf und Körper, und das Wesen aus Beton, Glas, Licht und Ton scheint, uns eine Botschaft mitteilen zu wollen.

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Gereon Lepper

*1956 in Ratingen

„Nachtflug", 2003

Standort: Friedrichschleuse

„Nachtflug" ist ein Balance-System, das auf Wind- und Gravitationsenergie reagiert. Zwei aus gekanteten Aluminiumblechen gefertigte Schwingen von etwa 3 m Länge sind auf einem Mast montiert und werden – durch Bodenstrahler angestrahlt – nachts zu reflektierenden Leuchtkörpern. So entsteht im Dunkeln der Eindruck, als strebe ein riesiger weißer Vogel, der sich auf dem Wasser spiegelt, einem unbekannten Ziele zu.

Foto: Werner J. Hannappel, Essen

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Jan Philip Scheibe

abseite
2009/13

Standort: Marineverein

Jan Philip Scheibes Leuchtschrift "abseite" verweist auf Peripherien, auf Außenseiter und -seiten, auf entlegene, vergessene, verfemte Orte und Existenzen. Die Identifikation mit dem fahrenden Volk, mit Schaustellern, Artisten, Narren jeder Art verweist auch auf die originäre Position der Kunst. „Die Leuchtschrift blinkt und wechselt die Farben wie die Beschriftungen von Karussells auf den Kirmesplätzen. Darüber leuchten drei Sterne, um die abseitige Exklusivität des Ortes zu unterstreichen," schrieb der Künstler, als "abseite" 2009 im Kölner Skulpturenpark installiert wurde. 2013 konnte die Installation dauerhaft für die Lichtpromenade erworben werden.

Photo by the artist

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Jürgen Stollhans

Lipstadium oder Friedrich der Große, der Mittlere und der Kleine
2013

Standort: Altes Steinwehr/Post

Drei metallene Rundkörper von identischer Höhe und identischem Durchmesser, aber unterschiedlicher Länge sind so hintereinander angeordnet, dass sie wie Teile einer großen Röhre wirken, die voneinander getrennt und anschließend sorgfältig verschlossen und versiegelt wieder in exakter Flucht montiert wurden. Beschichtet sind die Metallkörper mit einem Lack, der mit einem stark nachleuchtenden Pigment versetzt wurde. Auf die fluoreszierende Lackschicht wurde in einer dem Lippewasser nachempfundenen dunkelgrünen Farbe ein Muster aufgetragen, das von der Färbung eines Fischkörpers inspiriert ist. Etwa halbstündig wird die Arbeit von drei UV-Strahlern für einige Minuten beleuchtet; danach kann man das allmähliche Verglimmen und Verschwinden im Strauch- und Blätterwerk der Umgebung beobachten.
Die Bezeichnung „Lipstadium" taucht in der Topographia Westphaliae des Matthäus Merian von 1647 auf. Aus diesem Werk stammt der wohl bekannteste historische Grundriss der Stadt, auf dem man die Position von Stollhans' Arbeit bereits exakt identifizieren kann (kl. Abb.). Der launig zitierte dreiteilige Friedrich verweist auf die preußische Geschichte Lippstadts; Friedrich der Große besuchte
mehrfach selbst die Stadt.

Photo by the artist

Foto: Jürgen Stollhans

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